" Zukunftsfähige
bioresorbierbare und permanente Implantate aus metallischen und
keramischen Werkstoffen"
Der Sonderforschungsbereich 599 „Zukunftsfähige bioresorbierbare und permanente Implantate aus metallischen und keramischen Werkstoffen“ ist eine interdisziplinäre Gemeinschaftseinrichtung der Medizinischen Hochschule Hannover, der Leibniz Universität Hannover und der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Es besteht eine enge Kooperation mit dem Laser Zentrum Hannover, der Technischen Universität Braunschweig sowie dem Hemholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. In der Leitung des SFB sind alle drei federführenden Hochschulen vertreten, der Sprecher
Prof. Prof. h. c. Dr. Th. Lenarz kommt aus der Medizin, die Geschäftsführung liegt am Zentrum für Biomedizintechnik (zbm), Fachbereich Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover, womit die interdisziplinäre Ausrichtung unmittelbar deutlich wird.
Der SFB 599, Kurztitel Biomedizintechnik, bearbeitet Grundlagen der Entwicklung und Herstellung von zukunftsfähigen medizinischen Implantaten zum Wohl der Patienten unter Beachtung gesundheitsökonomischer Aspekte. Ziel ist die Wiederherstellung von Organfunktionen durch resorbierbare und permanente Implantate aus Werkstoffen, die durch Innovationen in der Herstellung, der physikalischen Bearbeitung, der chemischen Beschichtung mit Polymeren und der Ankopplung von Wirkstoffen (Funktionalisierung), der extrakorporalen Zellbesiedlung (Biologisierung) sowie Simulation und Prüfung an das klinische Einsatzgebiet optimal angepasst werden. Die materialseitigen Lösungsansätze werden zellbiologisch in vitro hinsichtlich ihrer Biokompatibilität charakterisiert, in vivo auf Funktionalität getestet sowie in geeigneten Simulationen abgebildet. Die Zusammensetzung des Materials und seine Oberflächenbeschaffenheit werden. Über Modifikationen der Materialzusammensetzung, seiner physiko-chemischen Beschaffenheit und der Oberflächeneigenschaften durch Funktionalisierung werden die Gewebeverträglichkeit (Biokompatibilität), die programmierte Wechselwirkung mit dem ortständigen Gewebe (Biomimetik) sowie die Funktion (Funktionalität) auf das zugedachte Anwendungsgebiet eingestellt. Dieser breite Ansatz wird auf Implantate aus der Orthopädie und Unfallchirurgie, der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der Kardiochirurgie und der Zahnheilkunde angewendet.
Die in der ersten Förderperiode etablierte transdisziplinäre und interinstitutionelle Kooperation führt nicht nur zu neuen Lösungsansätzen für offene medizinische Fragen, sondern auch zu neuen Fragestellungen und Antworten auf Seiten der Ingenieur- und Naturwissenschaften. Dadurch wird der transdisziplinäre Wissens- und Methodentransfer erheblich gefördert, was auch zu innovativen Studieninhalten und einzigartigen Chancen der interdisziplinären Kooperation für den wissenschaftlichen Nachwuchs führt.
Der SFB stellt eine in Deutschland einmalige innovative Form des interinstitutionellen und transdisziplinären Ineinandergreifens von Materialwissenschaften, Medizin, Tiermedizin und Zellbiologie dar, um so die Grundlagen für ein breites und innovatives Wissenschaftsgebiet, hier der Implantatmaterialien, zu schaffen. Daraus ergibt sich im Vergleich zu anderen Sonderforschungsbereichen die Notwendigkeit, innerhalb eines jeden Teilprojektes Wissenschaftler unterschiedlicher Fachbereiche wie z. B. Materialwissenschaften und Medizin parallel zu fördern. Dieses in der ersten Förderperiode erfolgreiche Konzept soll konsequent weitergeführt werden, um die fruchtbare Verfolgung der Projektziele zu erreichen.